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Heinrichszeche in Rosenthal am Rennsteig

19.07.2025

Die Gegend, in der ich lebe, war seit Jahrhunderten eine Bergbauregion. Das Wissen über vieles ist verlorengegangen oder wird unter Verschluss gehalten.  

Wo früher Wald stand, ist alles kahl

Besucherbergwerke gibt es hier im Gebiet um Rosenthal am Rennsteig nicht. Deshalb ergriffen wir die Gelegenheit, mit einem Geologen und sehr erfahrenen Kenner der Bergbaugeschichte den Heinrichstollen zu begehen.
Mit Fachleuten unterwegs
Der Stollen war einst ein Eisenerzbergwerk. Im 1. Weltkrieg waren die Rohstoffe knapp, und da wurde im Heinrichstollen nochmal Erz abgebaut, aber die Funde waren nicht mehr sehr ergiebig, weshalb man den Bergbau in den 1930er Jahren eingestellt hat. Die Ausgänge wurden zugeschüttet.

Plan

Zu einer Zeit nutzte man den verbliebenen Stollen, der ja immer feucht war, zur Trinkwasserversorgung und baute eine Rinne entlang des Schachts, die heute noch existiert und ab und zu kontrolliert wird.
Gefährlicher Einstieg
In den alten unterirdischen Gängen überwintern ein paar Fledermäuse. Da die Ausgänge verschlossen sind, gelangt man heutzutage nur durch einen hohen senkrechten Schacht in den Stollen. Um sicherzustellen, dass niemand unbefugtes sich hinunterbegibt, unterliegt der Zugang der Geheimhaltung und ist gesichert sowie videoüberwacht.

Einstieg zur Hölle

Da es sich um ein altes Bergwerk handelt, sind Eisenteile schon recht verrostet und das Ganze von jeglichen Sicherheitsmaßnahmen meilenweit entfernt. Die Expedition erfolgte also auf eigenes Risiko, jedoch genehmigt.
Im Schacht waren Metallleitern mit Kabelbindern an rostigen Tritten befestigt und führten senkrecht in die Tiefe.

Wer (zu Recht) Angst hat, sollte auf keinen Fall so ein Wagnis eingehen.
Am Ende des Schachts gelangt man durch eine niedrige Öffnung in den etwas über 400 m langen Stollen.
Unten angekommen
Anders als in Besucherbergwerken gibt es natürlich hier unten weder Licht noch andere technische Einrichtungen.
Im längsten Teil der Strecke ist es hoch genug, dass man aufrecht gehen kann.

Rennsteigkönigin IM Thüringer Schiefergebirge
Wer sich mit Geologie auskennt, kann Interessantes von Uninteressantem Gestein unterscheiden und erklären, was er da vor sich hat. Ich sehe zumindest, woraus Thüringen und der Rennsteig gemacht sind. Schiefergebirge Oberes Saale bedeutet nicht, dass alles Gestein Schiefer wäre.
Stollen
Mit der richtigen Kameraeinstellung und Licht kann man wirklich tolle Fotos herausholen.

Fotograf im Bergwerk
Die Gruppe, mit der wir die Expedition machten, hatte die passende Ausrüstung und Erfahrung dabei.
Fachmann im Berg
Vom Hauptstollen zweigten Gänge nach rechts und links ab, und an einer Stelle war bis hoch hinauf abgebaut worden. Man ist den Erzadern gefolgt, die sich im Prinzip wahllos durch das Gestein zogen.

Heinrichstollen
Auf den Fotos sieht es alles hell erleuchtet aus, aber das liegt einzig und allein an den Lampen, die wir mitgebracht haben. Ohne die herrscht undurchdringliche Finsternis. Nichts für klaustrophobische Menschen.

Heinrichstollen
Die Fledermäuse stört das nicht. Die orientieren sich per Ultraschall.
Selbst für Nichtkenner ist hier die typische Schichtung von Schiefergestein zu erkennen.
Schiefergestein
Geologen entdecken immer wieder mal eine interessante Stelle. Dann haben sie Lampen und Werkzeug dabei, und das Hämmern hallt durch die unterirdischen Gänge.
Geologe bei der Arbeit
Eine Weile später halten sie dann ein Fundstück in der Hand.
Eisenerz
Eisenerz.


Um an die Bodenschätze heranzukommen, sind oft waghalsige Leitern angebracht.
waghalsige Leitern im Bergwerk
Da hinauf zu klettern erfordert doch viel Mut. Die eingeschlagenen Bolzen sind alt, rostig, dünn und nicht gerade vertrauenserweckend.
Ziemliche Höhen!
Es geht 52 m hinauf und nach unten ist es folglich 52 m tief. Auf die letzten Leitern verzichtet man lieber. Die sehen einfach zu gefährlich aus. Auch so ist es schon hoch genug. Ich bin nur bis da unten gekrabbelt, und beim Fotografieren ist mir der Helm in eine Spalte gefallen, wo er nur schwer wieder herauszuholen ging.
Ohne Lampe wäre es pechschwarz hier unten
Vor vielen Jahren habe ich eine Abenteuergeschichte geschrieben „Abenteuer in der Unterwelt“. Darin ging es um dramatische Erlebnisse in einer Höhle. Hier war ich nun mittendrin in der Unterwelt. Aber es war nicht die Hölle, in der man geschmort wird, sondern bei 9°C mit der entsprechenden Kleidung bald angenehmer als draußen bei schwülen 32°C im Schatten.
Nun geht es zurück zum Ausgang.

zurück zum Ausgang

Verfehlen kann man ihn nicht, es ist der einzige und die alte Zeche nicht weit verzweigt. Kein Vergleich zu Sondershausen oder Merkers!
Der Ausstieg ist noch mal eine riskante Aktion.

Aufstieg durch den Gulli

Während andere auf dem Rennsteig gewandert sind, bin ich mal ein paar Stunden im bzw. unter dem Rennsteig gewandert. Es war eine interessante Expedition und ein aufregendes Erlebnis dank erfahrener und kompetenter Begleiter und moderner Licht- und Kameratechnik.

 

21.07.2025